Seminar 1974
 

 

 

7. Vortrag - Vipashyana -

 

Inhalt

 

So gesehen bedeutet das Erkennbare, dass wir das Potential haben, sehr präzise und direkt zu erkennen – und zwar beide Aspekte. Wir können erkennen, wie der Kosmos funktioniert und wie wir uns selbst in diesen Kosmos erleben. Aber solange wir die Ichlosigkeit nicht verstehen, sind wir nicht fähig die Funktionen der Welt zu verstehen. Dabei geht es weder um einen wissenschaftlichen Zugang noch um eine mystische Erfahrung. Es geht nur um einen einfachen Sachverhalt, der offenlegt, wie die Dinge funktionieren. Es ist so einfach wie die Antwort auf die Frage, soll man die Spaghetti zuerst in kaltes Wasser legen und dann das Wasser erhitzen. Oder soll man zuerst das Wasser zum Kochen bringen und dann die Spaghetti hinein schütten? Dieser Zugang ist sehr direkt und ganz einfach. Der Buddhismus ist bekannt für seine praktische Anwendbarkeit. Oft wurde er deshalb verurteilt. Dennoch sind wir stolz darauf.
Aus buddhistischer Sicht wurde die Meditation von Vipashyana entworfen, um aus einem Individuum einen intelligenten Menschen zu formen. Sie erschafft keinen Hokuspokus einer spirituellen Obrigkeit. Sie lässt auch keine großen Heiligen entstehen. Wir reden hier von etwas, das sehr einfach und direkt ist.

Das grundlegende Verständnis von Vipashyana bewirkt, dass man den Tierbereich verlässt. Durch die Technik von Shamatha sind wir aus den niederen Bereichen in den Tierbereich aufgestiegen, denn der Tierbereich ist der höchste der niederen Bereiche. Nun beginnen wir uns dem Bewusstsein zu nähern. Wir betreten den menschlichen Bereich, den Bereich der Asuras und der Götter.

Der Punkt ist: Disziplin erfordert hier eine Bereitschaft, sich mit der Intelligenz zu verbinden. Wir tun dies, anstatt uns nur immer wieder in die Meditationshöhle zurückzuziehen – obwohl unsere Freunde uns ermutigen, außerhalb der Höhle zu leben. Wenn wir über das Konzept von Vipashyana sprechen, schimmert da auch ein Samen des Mahayana-Buddhismus hindurch. Was gibt es sonst noch? Vielleicht sollten wir nun darüber reden. Habt ihr noch Fragen?

 

 

Fragen

 

F:  Steht Shamatha für die Meditationshöhle? Mir kommt das so vor.
R:  Wenn die Leute Shamatha als einzige Zuflucht betrachten, wird es zur Höhle. Wenn man jedoch Shamatha einfach als grundlegende Praxis ansieht, ist das nicht problematisch.

F:  Wie gehe ich in der Praxis von Shamatha mit Einsichten, Gedanken oder Assoziationsketten um, die scheinbar eine gewisse Gelehrsamkeit enthalten oder einen künstlerischen Wert haben.
Gestern hast du gesagt, man solle zum Atem zurückkehren. Wie ist dieser Prozess mit der Intelligenz verbunden, die erkennt, was geschieht?
R:  Wenn du zu Beginn ein korrektes Shamatha praktizierst, sehe ich keine Probleme. Dies schärft die Dinge ungemein. Auf diese Weise wirst du sicher auf die Praxis von Vipashyana vorbereitet.

 

 

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