Seminar 1979
 

 

 

 

Inhalt

 

Wenn du Shamatha praktizierst, entwickelst du deine Stärke und dein Gefühl für den Dharma.
Wenn du Vipashyana praktizierst, beginnst du den unterscheidenden Geist der Bewusstheit zu entwickeln. Du erkennst, wie Samsara arbeitet und wie ekelhaft es ist. Wenn du die samsarische Welt betrachtest, die sich so völlig von der dharmischen Welt unterscheidet, erkennst du – sie ist extrem unangenehm. Praktisch gesehen, frisst dort jeder jeden. Wenn die Leute sich begegnen und anschauen, lächeln sie. Aber in dem Moment, wenn einer sich umdreht, wird er von den anderen gejagt. Sie fallen ihm in den Rücken, versuchen in sein Hinterteil zu beißen und ihn zu fressen. In dieser Welt existieren soviel Täuschung und Heuchelei. Es gibt maßlose Scheußlichkeiten.
Du bekommst zwar keine Kopf- oder Magenschmerzen davon und musst kein Aspirin nehmen. Aber allein schon die Idee, mit diesen konfusen Leuten umgehen zu müssen, mit solch einer verwirrten Welt, lässt dich erschauern. Du fühlst dich angewidert und unbehaglich. Schon ein flüchtiger Blick genügt, um zu sagen, damit will ich nichts mehr zu tun haben.
Aber auf der anderen Seite ist das unsere Vergangenheit. Da kommen wir her. Wir müssen damit umgehen. Wir können uns nicht einfach vor solchen Leuten verschließen. Wir können nicht einfach sagen: "Das ist eine schlechte Welt." Tatsächlich hängt unser Überleben von diesen Leuten ab. Wir verdienen unser Geld mit ihnen. Wir genießen ihren Schutz.
Wir benutzen ihre Fahrzeuge. Wir sitzen auf ihren Stühlen. Wir verlassen uns auf ihre Klimaanlage und benutzen ihre Einrichtungen. Darum befinden wir uns in einer Art Double-Bind-Beziehung.

Auch in unserer Shiné oder Lhagthong Praxis gibt es samsarische Episoden. Wann immer in unserem Geist irgendein unbewusstes Geschwätz auftaucht, ist dies ein Produkt ihrer Taten.
Angenommen wir hätten seit unserer Geburt diese samsarischen Welt noch niemals erlebt. Angenommen, wir wären einfach aus dem ursprünglichen Geist heraus geplumpst – was immer das auch sein mag. Dann würde es uns wunderbar gehen. Wir wären großartige Praktizierende usw.
Aber das ist nicht möglich. Tatsächlich haben wir Glück gehabt, dass wir nicht so leben können. Es ist sehr günstig, dass wir nicht nur ständig in Frieden verweilen können.
Wir müssen mit dieser engstirnigen Welt der samsarischen Schöpfung umgehen. Wir befinden uns inmitten einer bösartigen, tückischen und trügerischen Welt und wir erkennen das.

 

 

 

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